Wenn die Drehscheibe Sachsen brennt - Planübung im Landeskommando
"Nur weil der Wald brennt, können wir nicht die Marschbewegungen durch Sachsen stoppen" - mit diesem Satz fasst der Chef des Stabes des Landeskommandos Sachsen die Herausforderung der Planübung zusammen.
An den zwei Tagen der Übung sind alle Kreisverbindungskommandos, kurz KVKs, vertreten. Sie sind die "Sensoren in der Fläche" und unterhalten Kontakt zu den Behörden und Rettungsorganisationen in den jeweiligen sächsischen Kreisen und Städten. Es ist ihr Auftrag, zum zivil-militärischen, gesamtstaatlichen Lagebild beizutragen. Dabei gilt es auch auszuloten, wo die Grenzen der zivil-militärischen Unterstützung verlaufen.
Die Planübung knüpft inhaltlich an die in den letzten Tagen stattgefundene Landeskatastrophenschutzübung des Freistaates an. Kernauftrag der Bundeswehr ist die Landes- und Bündnisverteidigung. Katastrophenszenarien, wie z.B. großflächige Waldbrände, Hochwasser oder Großschäden an der Verkehrsinfrastruktur können Einfluss auf die Auftragserfüllung der Streitkräfte im Zuge der Drehscheibe Deutschland haben. Die Frage steht: Geht in einem solchen Fall die Amts- und Katastrophenhilfe vor oder die Einsatzbereitschaft der Streitkräfte? Die Beantwortung dieser Frage kann dazu führen, dass die zur Verfügung stehenden Kräfte der Bundeswehr priorisiert werden müssen. Dabei gilt es, Handlungsbedarf zu erkennen und mögliche Risiken abzuwägen.
Denn diese Abwägung hat direkte Auswirkungen auf die Beratungsleistung der Verbindungskommandos gegenüber den Städten und Gemeinden im Sinne von: Kann die Bundeswehr ein mögliches Hilfeersuchen bei einem Großschadensereignis vor dem Hintergrund ihres militärischen Kernauftrages erfüllen? Und: Welche Auswirkung hat das Großschadensereignis auf die Drehscheibe Deutschland?
Deutschland ist aufgrund seiner zentralen Lage in Europa die Drehscheibe für Marschbewegungen eigener und der Streitkräfte unserer Verbündeten. Die Bundeswehr unterstützt die Alliierten bei Truppenbewegungen nach und durch Deutschland - und das muss auch in Krisensituationen gewährleistet sein. "Wir sehen unsere Planübung klar im Kontext der Landes- und Bündnisverteidigung. Unser Kernauftrag ist es, die Anforderungen der Drehscheibe Deutschland zu erfüllen", betont der Kommandeur des Landeskommandos, Oberst Michael H. Popielas.
Besonders Sachsen kommt mit seinen Verkehrswegen dabei eine zentrale Rolle zu: internationale Flughäfen, Autobahnen und Bundesstraßen, ein dichtes Schienennetz, Grenzübergangspunkte zu zwei verbündeten Nachbarstaaten, Rast- und Sammelräume und vieles mehr prägen die "Drehscheibe Sachsen".
Die Planübung findet unter der Beobachtung von hochrangigen Vertretern des Sächsischen Innenministeriums statt. Zuvor hatte der Kommandeur des Landeskommandos die Landeskatastrophenschutzübung des Freistaates eng begleitet. Dieser Austausch dient nicht nur der Transparenz, sondern auch dem gegenseitigen Verständnis für die Bedarfe und Möglichkeiten aller Partner in der zivilmilitärischen Zusammenarbeit. "Denn wir haben im Rahmen der Gesamtverteidigung die gemeinsame Aufgabe, unser Land und unsere Bürger zu schützen", so der Kommandeur des Landeskommandos Sachsen, Oberst Popielas.
Die Mitglieder der KVKs erhalten während der Planübung auch Gelegenheit, sich mit dem verlegefähigen Gefechtsstand vertraut zu machen. Die jeweils vier mal fünf Meter großen, olivgrünen Zelte in Modulbauweise brauchen gerade einmal zwei Minuten für ihren Aufbau. Luftkammern sorgen für Stabilität. Der Gefechtsstand kommt immer dann zum Einsatz, wenn das Landeskommando Sachsen Lagen vor Ort koordinieren muss.
/imk Fotos: Bundeswehr/Stübner & Richter